Frauen im Faschismus

Frauen haben sich in rechten Ideologien als „Mutter“ unterzuordnen. Die Stellung der Frau in der Gesellschaft unter faschistischer Herrschaft zeigt aber auch Widersprüche zwischen offizieller Ideologie und gelebter Praxis.

Die Ideologie…

Das Frauenbild in der faschistischen Ideologie kann grundsätzlich mit einer kleinen „Gleichung“ zusammengefasst werden: Frau = Mutter. Die natürliche (also angeborene) Aufgabe der Frau sei es, Kinder „für Volk und Führer“ zu zeugen und sich um den Haushalt zu kümmern. Dazu ein treffendes Zitat aus Hitlers Rede am „Parteitag der Ehre“ 1936: „Die Welt der Frau die Familie, ihr Mann, ihre Kinder, ihr Heim“.

Uns als SozialistInnen und FeministInnen erscheint es nur allzu deutlich, dass dieses Frauenbild die Frau als zweitrangig darstellt – unter dem Mann. In der faschistischen Ideologie jedoch sollte dieser „Rückschritt“ zu Küche und Heim nicht bedeuten, dass die Frau minderwertig war - im Gegenteil: Es wurde regelrecht ein „Mutterkult“ praktiziert, der die Frau in der Rolle der Mutter „rassisch reiner“ Kinder übermäßig glorifizierte.

Sprüche wie „Denn gerade ihr Muttertum, die Fähigkeit zur Mutterschaft ist es, was eine Frau dem Manne gleichberechtigt und überlegen macht“ machen genau das deutlich. Die faschistische Ideologie gab der Frau als Mutter das Gefühl, etwas Besonderes zu sein – natürlich nahmen Frauen diese Glorifizierung an und lehnten sich nicht gegen ihre Rolle als Mutter auf – im Gegenteil: sie waren sogar stolz darauf, Mutter „rassisch wertvoller“ Kinder zu sein und damit ihrer natürlichen Bestimmung nachzukommen.

Die Frau müsse „verzichten können auf Luxus und Genuss, körperlich und geistig fit sein und aus einem harten Leben ein schönes für die ganze Familie machen können“. Das alles gipfelte in der Forderung nach dem „Recht des Dienendürfens“ was „übersetzt“ heißt, dass gerade für die Mütter die Selbstaufopferung das höchste Glück sei.

Zusammengefasst sahen sie die Frau in der Rolle der Mutter „rassisch wertvoller“ Kinder und glorifizierten dieses Bild mit überhöhter Propaganda, Resultat: es entwickelte sich ein Mutterkult, der die Frau dazu brachte, in diese Rolle passen zu wollen – und damit wurden die Frauen hinter das bisher von der Frauenbewegung erreichte zurückgeworfen – das Patriarchat wurde an die Spitze getrieben.

…als Gegensatz zur Praxis

Nach der näheren Beleuchtung der Lebensrealität der Frauen wird eines jedoch offensichtlich: der Gegensatz zwischen der propagierten Ideologie und der Praxis. Was bei der Beschäftigung mit der faschistischen Mutterideologie übersehen werden kann ist, dass nicht alle Frauen in die Mutterrolle passen „durften“: der ganze Mutterkult richtete sich nur an „arische“, „deutsche“ Frauen. Alle jene Mütter, die zu den verfolgten Gruppen gehörten, waren vom Mutterkult ausgeschlossen.

Das sieht mensch in der rechtlichen Handhabung mit dem Schwangerschaftsabbruch. Den Frauen wurde ihr Recht auf Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper systematisch abgesprochen: während der Eingriff zum Abbrechen einer Schwangerschaft für „arische“ Frauen strengstens verboten war und sogar mit der Todesstrafe geahndet wurde, konnte auf „ärztlichen Wunsch“ eine Abtreibung aus „rassenhygienischen“ und medizinischen Gründen durchgeführt werden – gegen den Willen der Schwangeren!

Auch Zwangssterilisationen von „unarischen“ „lebensunwerten“ Frauen waren keine Seltenheit, sondern wurden wie am Fließband praktiziert. So steht im „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1933 in §1: „Wer erbkrank ist, kann durch chirurgischen Eingriff unfruchtbar gemacht (sterilisiert) werden(…)“ Als erbkrank wurden nach §2 dieses Gesetzes zum Beispiel Frauen gezählt, die an „angeborenem Schwachsinn“ litten. Da sich niemand ein genaues Bild darüber machen konnte, was denn genau „Schwachsinn“ war, konnte fast jede Frau mit der Begründung, sie leide an angeborenem Schwachsinn, sterilisiert werden – in der Praxis hatten die Zuständigen (Männer) damit freie Entscheidungsgewalt über Zwangssterilisationen und
-abtreibungen.

Während Gesetze wie das gerade genannte „unerwünschtes Leben“ dezimieren sollte, hatten Institutionen wie das Mutterkreuz die Aufgabe, die Geburt von „erwünschtem Leben“ zu fördern.
Eine Frau musste folgenden Anforderungen gerecht werden, um ein Mutterkreuz zu bekommen:
Erstens musste sie „Deutschblütig“ sein. Zweitens musste die Mutter als würdig betrachtet werden, durfte also nicht erbkrank oder asozial sein. Drittens kam es immer auf die ganze Verwandtschaft der Frau an, nicht nur auf sie selbst. (wenn die Urgroßmutter z.B. eine Jüdin war, oder eine Prostituierte, dann wurde dass Mutterkreuz nicht verliehen)

Das Mutterkreuz nicht zu bekommen, konnte fatale Folgen haben. Der Grund für eine Ablehnung wurde in einer „Erbkartei“ festgehalten und konnte in weitere Folge zu Zwangssterilisationen oder Deportationen führen. JedeR in der Nachbarschaft wusste bescheid, wenn eine Frau vier oder mehr Kinder geboren hat. Wenn sie dann das Mutterkreuz nicht bekam, wurde sie in der Gemeinde als unwürdig und asozial bloßgestellt. Der Sinn dieser Aktion war einerseits, die Überhöhung des Mutterkultes auf die Spitze zu treiben – „würdige“ Mütter erhielten einen Orden – und andererseits, die „unwürdigen“ auszuschließen und sie gesellschaftlich zu stigmatisieren, also zusammengefasst, die „deutsche Volksgemeinschaft“ zu fördern.

Eine wichtige Institution, die den Zweck hatte, Frauen aus dem Berufsleben „zurück in den Haushalt“ zu drängen, war das „Ehestandsdarlehen“, das unter der Bezeichnung „Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit“ lief: Dieses Darlehen im Wert von 1000 Reichsmark wurde Ehepaaren gegeben, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt wurden. Eine davon war nach §1, Absatz 1) b: „dass die künftige Ehefrau ihre Tätigkeit als Arbeitnehmerin spätestens im Zeitpunkt der Eheschließung aufgibt oder im Zeitpunkt der Einbringung des Antrags bereits aufgegeben hat“

„Frauen können das nicht.“ … !?

Alles, sowohl die gesetzliche Lage, als auch die Propaganda des Faschismus war so konzipiert, dass die Frau sich um den Haushalt kümmert, „erbgesundes“ Menschenmaterial „für Volk und Führer“ gebärt und damit auch noch glücklich und zufrieden ist.

Den Frauen wurde systematisch klargemacht, dass das alles „natürlich“ sei und sie etwas anderes – wie zum Beispiel Lohnarbeit – gar nicht machen könnten, da sie ja gar nicht dazu geboren seien – und es damit also nicht wollen oder sogar fordern könnten.

Als der Krieg jedoch voranschritt und „die Männer knapp wurden“, wurden auch Frauen in der Heimatfront eingespannt, als Flakhelferinnen, Funkerinnen oder in der Luftwaffe – Dinge, die vorher der „natürlichen Bestimmung der Frau“ vollkommen widersprachen. Frauen waren eine beliebig verschiebbare Masse – und das, was früher als „unnatürlich“ propagiert wurde, war plötzlich „normal“.

Das zeigt, dass die Begründungen „Frauen gehören hinter den Herd“, „Frauen können das nicht“, „Männer können das viel besser“ und viele andere in dieser Richtung damals, wie heute, sowie das Gerede von der „natürlichen Rolle der Frau“ nur dazu dienten und dienen, Frauen zu beHERRschen, zu unterdrücken und sie daran zu hindern, aufzustehen, sich gegen die Unterdrückung zu wehren und endlich den Anspruch zu erheben, selbstbestimmt zu leben!